Der Wecker klingelt um 6:30 Uhr - ohje ist das früh am Morgen. Ich quäle mich langsam aus dem Bett, bin dann aber schnell wach und voller Tatendrang. Heute geht es los! Die Trekking-Tour durch das isländische Hochland beginnt. Schnell einen Happen als Frühstück, noch alles festzurren dann kommt auch schon das Taxi, das mich zum BSI-Terminal bringt. Übrigens hatte ich richtiges Glück. Das bestellte Taxi ist das weltweit einzige Porsche-Taxi. Hatte ich zuerst gar nicht bemerkt. Der wuchtige Jeep des Isländers hatte in meinem schlaftrunkenen Zustand fast nach einem Mercedes M-Klasse oder so was ausgesehen. Erst später hatte mir der Taxi-Fahrer von diesem einmaligen Umstand und der Berühmtheit seiner Person erzählt und Zeitungsartikel aus aller Welt gezeigt. "So you are a very lucky person!" verabschiedet mich der Fahrer am Busterminal.
Dort gebe ich einen großen Seesack mit Teilen meines Proviantes auf, um nicht mit zu viel Gepäck unterwegs zu sein. Den Proviantbeutel sende ich per Bus nach Landmannalaugar - einer Hütte etwa bei der Hälfte meiner geplanten Tour.

Die Fahrt zu meinem Startpunkt nach Skógar ist malerisch. Auf der 3-stündigen Fahrt wechseln sich ständig Regen - was mich hier im Bus weniger stört - und herrlichster Sonnenschein ab. Ich genieße hinter der Scheibe die Fahrt entlang der Ringstraße. Zerklüftete Landschaften und der Blick - sofern es das Wetter erlaubt - über die weite Landschaft bis zu den Vestmannaeyjaer ist atemberaubend und faszinierend.

Skógar - 11:20 Uhr - herrlichster Sonnenschein. [63° 31,667 N / 19° 30,732 W / 97 m ü. NN] Schöner könnte ein Tourenstart nicht sein. Aber es drängt ein bisschen zur Eile. Der Plausch mit dem Busfahrer brachte unter anderem auch einen Wetterbericht mit sich: Für den Abend wird sehr schlechtes Wetter erwartet.

Die 380 Stufen entlang der Skógá bringen mich gleich am Anfang schnell außer Atem. Der Rucksack mit seinem Gewicht zieht nach hinten. Oben angekommen - schon die erste Pause. Unterwegs faszinieren immer wieder viele Wasserfälle der Skógá die in die Tiefe rauschend in die Tiefe stürzen, Schafe, die auf den Wiesen grasen, bizarre Felsformationen. So hatte ich mir das immer vorgestellt.
Ein paar Fotos, dann weiter. Ein paar Höhenmeter später sind bereits alle Wasservorräte aufgebraucht. Die zahlreichen Nebenflüsse der Skógá nutze ich daher um die Flaschen wieder zu befüllen und eine kleine Rast einzulegen. [GPS: 63° 32,417 N / 19° 30,036 W / 247 ü. NN]
Mittlerweilen ist es allerdings schon Nachmittag und die verbleibenden Kilo- und Höhenmeter bis zur Hütte Fimmvörduhàls machen mir ein bisschen Sorgen. Aber bisher ist das Wetter und der Weg gut.

Mit der Zeit verschwinden die letzten Farbtupfer in der Landschaft und die karge, schwarz-weiße Eiswelt empfängt mich. Einige Kilometer vor dem Ziel ändert sich das Wetter jedoch schlagartig.

Dichter Nebel zieht auf, der Weg wird steiler und die Wegmarkierungen sind kaum noch zu erkennen. Oftmals orientiere ich mich an den Fuß- oder Stockabdrücken meiner Vorgänger. Immer wieder halte ich inne und suche nach dem "richtigen" Weiterweg. Manchmal bleibt der Griff zum GPS letztes Mittel um mich in der dichten Nebelsuppe zu orientieren. Der Nebel wird dichter, Pausen gönne ich mir aus Zeitgründen immer weniger. So wird jeder Schritt zur Qual. Als mir zwei Leute begegnen, die hastig versuchen vor dem Wetter ins Tal zu flüchten, frage ich nach dem weiteren Weg: ca. 2,5 h bis zur Fimmvörduhàls-Hütte - einschließlich Geletscherüberquerung. Vorher am Wegesrand findet man allerdings eine Nothütte. Bis dahin war ich bereits 5 Stunden unterwegs. Ich entscheide mich daher gegen das Umkehren und beschließe mich an der Nothütte zu orientieren.

Nach einiger Zeit erreiche ich den - von den Leuten angekündigten - Fahrweg. Ab hier fällt es deutlich leichter im dichten Nebel den richtigen Weg zu finden. Meter für Meter quäle ich mich mit dem Rucksack vorwärts. Ich muss mich ernsthaft zusammenreisen, die letzten Kräfte sammeln und bei diesem Nebel und nun auch aufziehenden Sturm Ruhe bewahren. Ich schaffe das!
Endlich am Ende meiner Kräfte und Nerven zeichnen sich vor mir die Konturen der Nothütte ab. Völlig erschöpft nehme ich den Rucksack ab und gehe in die Hütte. Es ist 20:10 Uhr. [GPS 63° 36,666 N / 19° 26,467 " / 987 m ü. NN]

Die Hütte ist einfach, ziemlich feucht und voll. Mit mir haben hier noch eine Familie aus Stuttgart und 10 Franzosen Notquartier bezogen. Ich koche mir schnell was zu essen (Nudeln Carbonara) und verkrieche mich in meinen Schlafsack. Völlig fertig kann ich zuerst vor Schmerzen in Beinen und Kreuz gar nicht einschlafen.
Gegen drei drängt mich dann der Tee vor die Tür. Das vom Busfahrer angekündigte Unwetter ist eingetroffen. Der Nebel ist noch dichter geworden (man sieht kaum das Toilettenhäuschen), ein heftiger Regen prasselt nieder und ein Sturm, dass es mich fast von der Veranda des Hüttchens geweht hätte. Sehr unpraktisch, wenn die Tür des externen Klohäuschens weggebrochen ist!

<< zurück: Übersicht

weiter: 2. Tag >>




Druckansicht   Weiterempfehlen islandpraktikum.de weiterempfehlen   Bookmark Zu Lesezeichen hinzufügen    Suche   
Copyright © 2005 - 2010 Sebastian Graeber. Alle Rechte vorbehalten.  [Kontakt]   [Impressum]