Schon in der Nacht auf dem Weg zum Toilettenhäuschen habe ich den Mond und ein paar Sterne hinter den Wolken vorspitzen sehen. Als ich um kurz nach acht aufstehe, strahlt die Sonne von einem wolkelosen blauen Himmel. Gleich frühstücken und hinaus ins schöne Wetter. In der Nacht hat starker Nordwind eingesetzt, was zwar schönes Wetter bedeutet mir aber gleich auf den ersten Metern eiskalt ins Gesicht bläst. Der Weg nach Álftavatn führt mich relativ eben kilometerweit über schwarzen Sand. Links und rechts der großen Ebene über die ich laufe steile, begrünte Berge. Dazwischen geben die Berge hin und wieder einen Blick auf Gletscher und schneebedeckte Berge frei. Bei diesem Sonnenschein einfach herrlich.
Bis zur Nasenspitze in meine Jacke geknöpft trotze ich dem Sturm - zeitweise sogar heftigem Sandsturm und genieße, wie sich der Weg durch die karge Lavalandschaft schlängelt.

Der Erste von drei Flüssen, die ich furten muss, zeigt mir, dass ich nur noch wenige Kilometer bis zu meinem heutigen Etappenziel zurücklegen muss. Der Fluss ist etwas mehr als knietief, aber wegen schwächerer Strömung und wenigen Felsstufen wesentlich leichter zu queren als meine letzte Furt.
Diesmal sind sogar ein paar Fotos drin.
Das eiskalte Wasser belebt die müden Wandersbeine. Nach der Furt tut sich in den Wanderschuhen ein besonders tolles Gefühl breit. "Crossing the rivers is a very special feeling!"
Etwa 1 Stunde später erreiche ich die Hütte Álftavatn - mein heutiges Ziel. Die beiden Schlafhütten schmiegen sich nahe eines Seeufers an einen kleinen Berghang.
Gleich nach Eintreffen begrüßt mich die "Wardin" und zeigt mir meinen Schlafplatz. Heute bleibt mir sogar Zeit für einen kleinen Abendspaziergang zum Seeufer und die umliegende Gegend.
Nach einer heißen Dusche im wirklich eiskalten Toilettenhäuschen zurück in die warme Hütte. Der Sturm - der schon den ganzen Tag anhält - ist noch etwas stärker geworden. Der Warden hatte "very very hard storm" für die kommende Nacht angekündigt. Morgen soll der Sturm dann angeblich nachlassen und das schöne Wetter bleiben.


Während meiner "due-pasti" (Penne all'arrabiate und Penne Pesto) kommt noch eine geführte Gruppe an. Da hatten alle, die bereits in der Hütte waren (4 Niederländer, zwei Franzosen und wir beiden) richtig was zu lachen: Die Gruppe war zwar gewandert, das Gepäck aber mit dem Jeep hierher geschafft. So vielen 12 Leute mit Koffer, Trolley und Reisetasche in der Berghütte ein.
Für den Rest meines Abends genieße ich den Ausblick aus der Hütte über den Álftavatn (See) und auf die Reisegruppe, die zunächst verzweifelt versuchen ihr Versorgungszelt aufzustellen. A bisserl stört das die Bergsteigerromantik scho', gell!
Das Zelt steht, als ich mit Essen und Abwasch fertig bin. Die Reisegruppe verzieht sich singend in das eben errichtete Zelt und kommen erst spät am Abend zum Schlafen in die Hütte.

Der Warden hat für die kommende Nacht Nordlichter prophezeit - wohl so ab eins in der Nacht. Mal sehen ob ich's zu dieser Zeit aus dem Bett schaffe und einen Blick erhasche. Die Fotoausrüstung samt Stativ rauszukramen wird um diese Uhrzeit aber nix.

Während ich diese Zeilen in mein Tagebuch schreibe, bläst ein eiskalter Sturm über den See und trifft mit voller Wucht auf die Breitseite der Hüte. Knapp über 1°C zeigt das Hüttenthermometer.
Direkt vor der Hütte haben sich Drei zusammengekauert um an einem Campingkocher ihre Nudeln zu kochen. Allen in der Hütte tun die Drei so leid, dass wir sie zum Aufwärmen in die Hütte bitten. Mit den Studentinnen aus Rosenheim und dem Student aus München, die mit dem Zelt durch die Insel reisen, wird es ein sehr gemütlicher Abend.

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