Einbruch und nächtlicher Besuch
Freitag, 23. Juni 2006

In der Nacht war wieder leichter Nordwind aufgezogen und auf meiner heutigen Etappe gerade optimal um sowohl Mücken als auch einzelne Wolken zu vertreiben.
Zunächst führt mich der Weg zurück zu der Brücke, von der ich tags zuvor gekommen war, dann immer stets nordwärts.
Die 18 Kilometer lange Etappe ist äusserst kräfteraubend, da ausgetretene Pferdespuren und Lavageröll den Weg erschweren.
Die Hütte meines heutigen Etappenziels liegt in einem kleinen, versteckten Tal, welches entweder über einen steilen (aber kürzeren) oder weniger steil (dafür längeren) Weg erreicht werden kann.
Ich entscheide mich für die zweite Variante. Dass der Weg allerdings sooo viel länger ist und trotzdem für meinen Geschmack recht steil, hatte ich nicht erwartet.
Und die beiden Schmelzwasserflüsse die zu durchqueren sind, als die kleine Hütte schon in Sichtweite ist, verzögern meine Ankunft dann auch noch. Um 18 Uhr erreiche ich dann endlich die Hütte Þjófadalir.
Die Überraschung ist groß, als ich feststelle, dass die Tür zum Hauptraum der Hütte fest verschlossen ist. Da hilft kein rütteln und drücken - die Tür gibt keinen Millimeter nach.
Durch das Fenster kann ich sehen, dass der Türriegel des Schlosses fest verschlossen ist - dabei hatte mir der Hüttenverein doch fest versichert, dass alle Hütten offen sind.
Ich stehe hier "mitten im Nichts" und die Hütte ist zu. Mist!
Eine kleine Fensterscheibe war wohl vor einiger Zeit zerbrochen und das Loch notdürftig mit einer Holzplatte zugenagelt. Mühselig kann ich mit dem Taschenmesser das Brettchen und die restlichen Glasscheiben entfernen und nach mühseligem Angeln nach den Fensteröffner das Fenster der Hütte öffnen. Melita passt gerade durch das kleine Fenster und kann die Tür von innen öffnen.

Erschöpft und müde falle ich nach Penne Pesto und Wasserholen am nächsten Bach in meinen Schlafsack.

Plötzlich um ein Uhr in der Nacht werden Stimmen vor der Hütte laut und kurz darauf poltern einige der kleinen Gruppe in die Hütte. Aufgeregt und erschreckt fragen sie mich, wie ich in die Hütte gekommen sei.
Es stellt sich heraus, dass die 5köpfige Familie sich als freiwillige Helfer des Hüttenvereins um die Hütte Þjófadalir kümmern. Die Familie war am Abend mit dem Jeep in Reykjavik aufgebrochen, um die Nacht in der Hütte zu verbringen und diese am nächsten Tag wieder fit für die kommende Saison zu machen.
Der Schreck war natürlich groß, als sie uns in der - wie sie dachten - verschlossenen Hütte vorfanden.
Nachdem alle Fragen geklärt waren und sich die Fünf in der Hütte eingerichtet hatten, kehrt wieder Ruhe ein und ich finde endlich tiefen Schlaf.

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