Es ist der 21. Juni und wesentlich geordneter und planmäßiger breche ich heute zu meiner zweiten Trekkingtour durch das isländische Hochland auf.
Entlang der Kjölur-Route - die am 19. erst vollständig für den Verkehr geöffnet wurde - an den Flanken des Langjökull bis Hveravellir, so ist mein Plan.
Als der Wecker um 7 Uhr klingelt, bin ich eigentlich schon wach und wenig später sitze ich schon im Auto Richtung Gullfoss.
Dort erwartet mich die wohl erste Überraschung des Tages. Der planmäßige Linienbus, der seit Straßenöffnung täglich von Reykjavik über die "Kjölur" nach Akureyri fährt, entpuppt sich als 9-Sitzer-VW-Bus(chen).
Zwei Sitzplätze sind gerade noch frei und Melita und ich werden vom freundlichen Busfahrer vom Gullfoss bis zu unserem Startpunkt (die Abzweigung nach Hvítárnes) mitgenommen.
Nur 9 Kilometer von der "Bushhaltestelle" bis zur Hütte liegen heute vor mir. Neun Kilometer, die doch einiges an Anstrengung erfordern, denn der starke Nordwind bläst natürlich genau von vorne.
Die sandige und steinige Landschaft tun ihr Übriges und nach wenigen Minuten spüre ich die Sandkörnchen überall.
Zwei Stunden später erreiche ich die Hvítárnes-Hütte. Wunderschön gelegen mit einem einzigartigen Blick auf den Langjökull direkt am anderen Seeufer. Wie mir von dem Hüttenverein Ferðafélag Íslands bereits angekündigt wurde, ist zu dieser Jahreszeit noch kein Hüttenwart vor Ort. So kämpfen wir uns beide durch die Widrigkeiten der Hütte.
In der alten Hütte (übrigens die älteste Hütte des Wandervereins) steht ein alter Kanonenofen und ein Sack Holz. Spärlich angebrannte Holzstücke im Ofen zeigen, dass bereits vor mir einige am fehlenden Papier oder Kleinholz mit dem Versuch den Ofen anzuwerfen gescheitert sind.
Trockenes Gras aus der Umgebung der Hütte hilft uns beiden allerdings weiter. Der Ofen bollert und gibt bald eine gemütliche Wärme ab.
Schon macht sich allerdings das nächste Problem bereit. Das Frischwasser ist abgestellt und alle Bemühungen einen Sperrhahn ausfindig zu machen bleiben erfolglos. Dann gibt´s eben frisches Wasser aus einem der umliegenden Flüsse. Wobei das diesmal auch nicht so einfach zu sein scheint. Alle umliegenden Flüsse sind milchige Gletscherflüsse, die zum einen einiges an Dreck mit sich führen, zum anderen durch großflächiges Weideland führen. Dem Wasser traue ich also lieber nicht.
Also lieber sparsam mit den mitgebrachten Wasservorräten umgehen, bis man am nächsten Tag hoffentlich auf eine bessere Wasserstelle stößt.
Gerade als ich noch zu einer kleinen Erkundungstour aufbrechen will, treffen noch die Amerikaner Nathan und Amy ein. Kurzer Plausch über das "Wohin" und "Woher", dann erkunde ich die Umgebung der Hütte.
Nach Reispfanne Paella, einem kleinen Verdauungsspaziergang und ein paar Tagebuchzeilen am knisternden Ofen versuche ich, etwas Schlaf zu finden. Heute ist schließlich der längste Tag des Jahres und es wird nicht mehr dunkel.
Nachtrag: Spät am Abend trifft noch ein deutscher Radler, der am Morgen am Geysir aufgebrochen war, in der Hütte ein. Sandstürme und Nordwind haben auch ihn zu schaffen gemacht.
Infos zur ersten Etappe und zur Wanderung:
Der alte Kjalvegur ist die kürzeste Verbindung zwischen Nord- und Südisland. "Erschlossen" und genauer beschrieben wurde die Route von Daniel Bruun und Páll Briem im Jahre 1898. Der alte Kjalvegur ist heute eine beliebte Strecke für Reitergruppen und Wanderer.
Die neue Nord-Südverbindung und die heutige Kjölur-Straße verläuft mehrere Kilometer westlich.
Anreise ab Reykjavik oder Akureyri mit dem Bus bis zur Abzweigung/Haltestelle Hvítárnes. Von dort sind es etwa 9 Kilometer bis zur Hütte Hvítárnes.
Die Hütte wurde 1930 erbaut und ist die erste Hütte des Wandervereins Ferðafélag Íslands. Sie liegt direkt am Seeufer des Hvítárvatn. Direkt am anderen Seeufer kalbt der Skriðufell (ein Ausläufer des Langjökull) in den See.
Warme Hütte, wenig Wasser
Mittwoch, 21. Juni 2006
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Das scheint ja eine tolle Hütte zu sein, muss ich fast mal hin, wenn ich wieder in ISL bin.
Greetz ..
Greetz ..
kommentiert von Franz | Donnerstag, 06-07-06 19:23
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