Der altisländische Monat Þorri ging am Wochenende zu Ende und am Sonntag begann der Monat der Góa mit dem Konudagur- dem Hausfrauentag. Blumen oder kleine Geschenke, gehen an die lieben Frauen dieses Landes ...
Auch wenn das mit den Blumen hier nicht wirklich so einfach ist. Zwar nicht zum Konudagur, aber zu Melitas Geburtstag am darauffolgenden Tag hab ich mir fest die Beschaffung eines Blumenstraußes vorgenommen. Teuer sollen Blumen ja schon sein hier in Island - eine Rose etwa 6 EUR, trotzdem hab' ich mir gedacht, besonders "günstig" ein Sträußchen zu kommen.
Von dem Blumenhändler "um die Ecke" wusste ich, dass dieser Fleurop-Partner war und erhoffte mir über den Online-Auftritt des Blumenversenders ein günstigeres Sträußchen zu ergattern, als bei dem persönlichen Besuch im Ladengeschäft. Der digitale Blumenstrauß auf der Internet-Seite für irgendwas um die zwanzig Euros lag schon im elektronischen Einkaufswägelchen, als ich damit zur Kasse und zum Empfängerformular rollte. Die Auswahl der isländischen Zustelladresse ließ unerwartet ein kleines Fensterchen erscheinen, welches die blumigen Pläne schnell welken ließ: "Andere Länder, andere Sitten (...) der Preis für Ihren Auftrag erhöht sich auf 50,00 EUR."
Also eben keine Blumen zum Konudagur und Geburtstag.
Der Inhaber unseres Praktikumsunternehmens hat uns dann zum Konudagur-Entspannungs-Bad in die Bláa lónið eingeladen. Das Geothermalkraftwerk Svartsengi hat vor Jahren seinen Betrieb aufgenommen und pumpt Meerwasser in die Erde, welches sich dort erhitzt und zurück an der Oberfläche zur Stromerzeugung genutzt wird. Anschließend hat man das warme Wasser einfach in das umliegende Lavafeld laufen lassen. Irgendwann kamen einige wohl auf die Idee, dass man in dem "Abfallprodukt" auch wunderbar baden kann. Das entlegene Lavafeld entwickelte sich schnell zu einem bekannten Badetreff - besonders bei der isländischen Jugend. Nachts raus aus'm Club und noch schnell mal planschen in der Lava, so soll's wohl gewesen sein in der grauen Frühzeit der Blauen Lagune.
Irgendwann hat man dann festgestellt, dass sich damit auch gutes Geld verdienen lässt. Die Holzbude mit einfachen Umkleiden und einem Eintrittspreis von 500 ISK (6 EUR) wurde schnell durch einen luxuriösen Badetempel ersetzt und so werden heute an einem gestylten Kassenhäuschen knappe 20 Euro für den Badespaß fällig.
Geld, das auf alle Fälle gut angelegt ist. Das mollig warme Wasser, die dargebotenen Mineralsalze, Kieselerde und Algen zum Einmassieren und einkleistern. Sauna, Dampfbad, bequeme Holz-Liegen im Wasser und frische isländische Luft tun dann das Übrige. Mir fehlen einfach die Worte. Die Touristenattraktion ist ein unbedingtes "must-have-seen" für alle Islandreisenden und das mit gutem Grund.
Ich bin überrascht, wie sehr man entspannen kann - oder wie sehr verspannt man vorher gewesen sein muss. Spannend.
Baden im Blauen
Donnerstag, 23. Februar 2006
Copyright © 2005 - 2010 Sebastian Graeber. Alle Rechte vorbehalten. [Kontakt] [Impressum]
