Die vergangene Nacht beim Vetrarhátíð - dem WinterLights-Festival - stand ganz im Zeichen der städtischen Museen. Mehr als 25 verschiedene Museen und Ausstellungen hatten von abends bis Mitternacht freien Eintritt.
Inklusive kostenlosem Busverkehr, um zwischen den verschiedenen Ausstellungen pendeln zu können.
Freilich sind in dieser Museumsnacht nicht alle bisher ungesehenen Museen zu besichtigen, dennoch habe ich mir die interessant erscheinenden Veranstaltungen herausgesucht und bin schließlich in fünf Museen gelandet.
Erster halt war das Listasafns Reykjavíkur, das Reykjavik Art Museum im Hafnarhúsinu. Die ständige Ausstellung der Erró-Werke wird durch viele wechselnde Ausstellungen ergänzt. Besonders interessant die eigenwilligen Portrait-Zeichnungen berühmter Persönlichkeiten von Kristin Halldorsdottir und eine recht düstere Exhibition von Gabriela Fridriksdottir mit wüsten Kunstwerken und Videos.
Als Rahmen-Programm begleitet in dem Museumskomplex eine "Stomp"-Combo die Museumsnacht. "Typisch Isländisch", kommen die Musiker - allen voran Ampop-Drummer Jon Geir - erstmal um zehn nach acht, obwohl die Veranstaltung um acht beginnen sollte. Jeder für sich findet dann erst mal in aller Ruhe heraus, wie man denn in den Räumlichkeiten "Krach" machen kann. Um 20:30 Uhr geht's dann auch endlich los. Auf Mülleimern, Autoreifen, Töpfen werden dann doch recht rhythmische Klänge produziert. Zuschlagende Museumstüren und wildes Hämmern auf den Betonboten sättigen den übrigen Beat. Mit der Zeit entwickelt sich dann doch eine tolle Impro-Stomp-Show.
Um 21:00 Uhr beginnt die Modenschau im Sjóminjasafnið (Maritime Museum) am alten Hafen. Zu Brennivín und Hákarl kann man Mode aus Fischhaut begutachten. Isländische Designer präsentieren die verschiedensten Kreationen für Männer und Frauen. Ausgefallen.
Im Saga-Museum auf dem Öskjuhlíð ist's im Gegensatz zur schwach besuchten Modenschau richtig voll. Die CD-Player mit dem Museums-Guide sind zu Ende und am Eingang hat sich eine Schlange gebildet, die drauf wartet, dass Gäste, die das Museum verlassen ihr Gerät gleich an die Wartenden übergeben. Drinnen gibt's Geschichten und Sagen aus der isländischen Vergangenheit: Egils Saga, Erik the red und Grettir werden mit lebensechten Figuren zum Leben erweckt.
Im Rafheimar (Electrical Museum) im Elliðaárdal sind zwar alle Schilder und Beschriftungen auf Isländisch, dafür gibt's zur Museumsnacht kostenlosen Kuchen, Kleinur und heißen Kakao. Und für die antiken Telefone, Bügeleisen, Staubsauger und sonstigen Gerätschaften braucht man ja nicht wirklich jedes Wort der Hinweistafeln verstehen ...
Meine persönliche Museumsnacht endet im Árbæjarsafn - dem Reykjavik Museum. Das Museum - vielleicht mit einem Heimatmuseum vergleichbar - zeigt das Leben in der frühen isländischen Zeit. Reykjaviker Kaufläden und alte Wohnhäuser sind nachgebaut und eingerichtet. Wenn man durch die Museumsräume wandelt, hat man das Gefühl, gerade durch die Wohnung aus einer früheren Zeit zu schlendern. Kleinur und dampfender Kaffee steht noch auf dem Tisch. In der Küche ist noch das Geschirr im Spülbecken und das Waschzeug steht noch in den Schlafräumen. Außerdem wird an diesem Abend dort einer der ersten isländischen Filme von 1951 gezeigt.
Safnanótt
Samstag, 25. Februar 2006
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