Daníel, Punkrock und die Oper
Donnerstag, 15. Dezember 2005

Denkt man an „Oper“, fällt einem vieles ein: Giuseppe Verdi und Richard Wagner, Faust und die Zauberflöte. An ein Rockkonzert wird dabei aber keiner denken. Also war ich schon sichtlich erstaunt, seit ein paar Tagen Karten für das Konzert von "Daníel Ágúst" in den Händen zu halten, auf dem als Veranstaltungsort "Íslenska Óperan" steht.

Nun muss ich ehrlicherweise dazusagen, dass die Musik von Daníel Ágúst schon eher zum Sitzen in der Oper einlädt. Ich hab mal ein bisschen gegoogelt und rausgefunden, dass der Musik-Stil des Ex-GusGus-Frontmannes irgendwas zwischen Ambient, Postrock und Downtempo. Und wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich damit gar nix anfangen. Daníel Ágúst hatte ich erstmals auf dem Airwaves-Festival erlebt und war seither begeistert. Die Musik ist eine kuriose Mischung aus Mini-Symphonien verziert mit Rock und Pop-Elementen, ausgefallenen Tönen und Klängen. Dazu bietet Daníel Ágúst eine wunderbare Show, bei der man förmlich spürt, wie er sich selbst in seiner Musik entfaltet, für seine Musik lebt.

Also waren wir heute in der (kleinen, gemütlichen) Oper um das Konzert von Daníel Ágúst zu sehen. "Vorgruppe" gab's auch, in Form einer namenlosen jungen Dame mit Laptop, E-Gitarre und doch beeindruckender Stimm-Gewalt. Stilistisch hat's jedenfalls gut zu "Daníel" gepasst.
Danach kam er. Eine wunderschöne Show - wie ich es bereits während des Airwaves sehen konnte - mit beeindruckender Hingabe und Temperament.
Die Streicher und die Videos, die das Konzert begleiteten, rundeten den Konzertgenuss ab - auch wenn dieser in der Oper einen etwas ungewöhnlichen Veranstaltungsort fand.

Nach etwa 1 Stunde endet der Auftritt von "Daníel" und mit - sicherlich wichtigen, aber isländischen - Abschiedsworten verschwindet er hinter die Bühne. Verwunderlicherweise stehen vereinzelt Leute auf, verlassen die Oper, lassen teilweise Jacken liegen oder bleiben Sitzen - ganz "unisländisch". Stehen doch hierzulande beim letzten Bild im Kino oder letzten Ton beim Konzert schon alle fertig angezogen vor der Tür.

Zeit die Oper genauer anzusehen: gepolsterte Klappstühle, ein roter, edler Teppichboden, kleine Lampen mit ebenso roten Schirmchen an den Wänden, gedämpftes Licht. Alles in allem wohl ein sehr altes, ehrwürdiges Gebäude.
Mittlerweilen hat sich wirklich auf der Bühne was getan. Die Notenständer des Streichorchesters sind verschwunden und haben Platz gemacht für dicke Gitarrenverstärker, einem Schlagzeug und Mikrofonen. Und die Musiker kommen mir auch so bekannt vor: die Gruppe "RASS" ist auch schon am Airwaves beteiligt gewesen.
Nun ist aber Schluss mit Oper: Punk-Metal-Rock mit tiefem, teutonenhaften Gesang. Ähnlich Rammstein nur lauter, härter, schneller, aggressiver.
Und so sitzen wir in der antiken, stilvollen Oper inmitten Reykjavík, während vor uns die Mitglieder von RASS auf E-Bass, Gitarre, Schlagzeug einhämmern, dass einem die Ohren wegfallen. Seltsam und äußerst kurios.

Und so reiht sich nun zu den Größen wie Wagner, Verdi, Mozart und Bizet auch RASS und Daníel Ágúst - zumindest hier in Island.

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