Weihnachtstage
Samstag, 31. Dezember 2005

Machmal vergehen die Tage und ich muss schon schwer überlegen, was ich berichten soll. Und manchmal ist so viel los, dass ich gar nicht weiß, wie ich alles in angenehmer Länge unterbringen soll.
Vergangene Nach-Weihnachts-Woche und die Weihnachtsfeiertage zählen definitiv zu Zweiterem. Während sich die Stadt noch in ein weihnachtliches Gewand hüllt bin ich losgezogen und hab einiges der Weihnachtsstimmung auf Speicherkarte gebannt und unter "Reykjavik" im Fotoalbum hinzugefügt. Mit dem absehbaren Ende der Weihnachtszeit verschwinden nun auch die vielen Weichnachtsglückwünsche die auf den verschiedensten Produkten aufgedruckt waren aus den Supermarkt-Regalen. Weihnachtsverpackung gab es bis dieser Tage noch für Butter, Milch, Eier, Küchenpapier, Toastbrot und viele andere Produkte.


Bláa Lónið

Ich habe die Weihnachtstage und die Zeit "zwischen den Jahren" ziemlich viel in warmem Wasser verbracht. Erst hatte ich mir endlich (nach so langer Zeit auf dieser Insel) die Zeit für die "Bláa Lónið" genommen. Nach der stressigen Vorweihnachtswoche so eine Entspannung. Toll. Geschneit hat's und über der Lagune zogen gespenstische Dampfschwaden. Plantschen im mollig warmen Wasser, Sauna, Dampfbad und dann eine herrliche Gesichtsmaske - das hat meiner gestressten Haut richtig gut getan. Wenn's nur nicht so teuer wäre, würde ich mich dort gleich als Stammgast anmelden.


Reykjadalur

Dann - ein paar Tage später - bin ich schon wieder in warmem Wasser gelandet. Als der trübe Winterhimmel für einen Tag die Wolken hat verschwinden lassen und die Sonne von einem blauen Himmel strahlte bin ich nach in das Geothermalgebiet bei Hveragerði aufgebrochen.
Die Herausforderung begann schon damit, den Ausgangspunkt für die Wanderung zu finden. Versteckt nach einigen Kilometern Schotterpiste hinter einem Pferdegehöft tat sich dann das auf, was wohl als "Parkplatz" angekündigt war. 11:30 Uhr - die Sonne hat sich gerade über den Horizont gehoben und meine Wanderung beginnt gleich zu Beginn mit einer Flussquerung. Die Landschaft um mich herum - tief verschneit. Und ich bis zu den Knien im eiskalten Wasser. Brr.
Danach geht es etwa 1 Stunde durch die verschneite Landschaft. Wie ich das genieße. Etwa ½ Auto-Stunde von Reykjavik entfernt und man ist wieder ganz alleine. Nur ein paar Schafe starren mich verwirrt an. Das Hochland-Gefühl kehrt zurück. Eine Flussquerung und ein paar Berghänge weiter kündigt sich das Hochtemperaturgebiet schon durch den bekannten Schwefelgeruch an. Die rauchenden Quellen entlang des Tales, die verschneiten Berghänge um mich herum und die aufgehende Sonne faszinieren mich bei jedem Schritt. Am Ende des Tals sehe ich schon den "heißen Fluss" dampfen. Eine kleiner natürlicher Steinwall staut das Wasser etwas auf, sodass ich - bei Eiseskälte im Schnee - schnell meine Badehose schlüpfe und mich ins warme Wasser setze. Ui ist das genial. Ganz alleine in der freien Natur, weiß gezuckerte Berge, dampfende Quellen und ich in Badeklamotte mitten drin. So sitze ich und genieße, bis irgendwann die untergehende Sonne (ja die Tage sind auch bei Sonnenschein nicht viel länger) zur Heimreise drängt.

Fotos: Fotoreise > Südwesten > Hveragerði


Kino

Und noch eine Erfahrung der letzten Tage ist eine Erzählung wert. Das Einkaufs- und Erlebniszentrum Smáralind nahe Reykjavik beherbergt neben vielen Geschäften auch ein Kino, welches seine Filme - abgesehen von den "normalen" Salurs - auch in einem Lúxus-Salur zeigt. Auch wenn der Preis dafür deutlich über einem normalen Kinobesuch liegt, wollte ich das Mal ausprobieren.
Für umgerechnet 25 EUR gibt's dann aber auch wirklich Luxus pur. Zuerst gönne ich mir ein - im Eintrittspreis inbegriffenes - Getränk an der Bar. Mit meinem Rotwein mache ich mir's dann im Lúxus-Salur bequem.
Ein moderner Kino-Saal mit 70 Sitzplätzen. Wobei Sitzplätze vielleicht ein bisschen falsch ist - besser wäre vielleicht Liegestuhl. Aber auch das klingt noch ziemlich unbequem. Lederüberzogene urbequeme Sessel, die sich per Knopfdruck in eine noch bequemere Liegeposition verwandeln lassen. Dazu ein kleines Tischchen an jedem Sessel um den mitgebrachten Proviant bequem abstellen zu können. Der Film "A Little Trip To Heaven" wird dann noch mehr Erlebnis. Die Sessel sind so bequem, dass ich es - und bei meiner Größe heißt das wirklich was - schade fand, dass der Film nach 100 Minuten schon aus war. In so einem Möbelstück hätte ich gut und gerne das Extended-Herr-Der-Ringe-Triple-Feature ausgehalten.
Und wenn der Film interessiert: sehr schön. Handelt in USA, ist aber in Island gedreht.


neues von der Post

Abschließend noch eine kleine Weihnachtsüberraschung von der Deutschen Post. Als ob einer meinen Ärger gehört hätte, sind die beiden verschwundenen Pakete diese Woche nun doch angekommen.

Laufzeit des Weihnachtspaketes: abgegeben 12. Dezember per Luftpost (normal: 3-5 Werktage) - eingetroffen 29. Dezember. Zustand: heil.


Laufzeit des Klamottenpaketes: abgegeben 10. November per Luftpost (normal: 3-5 Werktage) - eingetroffen 27. Dezember. Zustand: kein Kommentar (siehe Foto).

Jedenfalls hab' ich jetzt ganz schicke Klamotten, auch wenn Geschäftsessen, Weihnachtsbuffet und Business-Training-Woche nun vorbei sind. Wer mich in einen Nobel-Schuppen einladen will, kann sich jetzt gerne melden *grins*

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