Isländer an sich lassen sich schon witzige Sachen einfallen, zum Beispiel "Kvennafrí".
Erstmal aber die Geschichte "dahinter": Frauen in Island verdienen 64,15% des gesamten Gehalts, welches Männer verdienen. Würden also Frauen für gleichen Stunden-Lohn genauso viel arbeiten wie Männer, beträge ihre Arbeitszeit also 64.15% der Männer. Der Arbeitstag für Frauen in Island wäre somit um 14:08 Uhr zu Ende.
Um dieser ungerechten Verteilung entgegenzutreten haben am 24. Oktober 1975 mehr als 25.000 Frauen in Island, um 14:08 Uhr ihre Arbeit niedergelegt und sich in der Innenstadt zu einem Protestmarsch versammelt. Für viele Männer hieß dies dann, ihre Kinder aus Schule und Kindergarten abzuholen, da diese geschlossen wurden, viele Geschäfte, Banken und Einrichtungen hatten kurzfristig geschlossen.
Im Gedenken an die Frauenbewegung von 1975 fand nun - 30 Jahre später - eine erneute Protestkundgebung statt.
Meinen Schätzungen zufolge waren es wohl keine 25.000 die zu dieser Veranstaltung kamen, aber voll waren Reykjaviks Straßen allemal. Die Menschenmasse versammelte sich am Skólavörðuholt und schob sich gegen 15:00 Uhr langsam Richtung Ingólfstorg, wo anschließendes Rahmenprogramm stattfand.
War schon faszinierend, solche Menschenmassen in Reykjavíks Straßen, Cafés, Bars und Schnellrestaurants zu sehen. Die Veranstaltung an sich fand ich allerdings ein bisschen lau. Angekündigt war das Motto "Frauen schlagen Krach", allerdings erschien mir das eher wie ein gemütlicher Kaffeeklatsch. Nicht mal eine Stunde nach Ankunft am Ingólfstorg leerte sich der Platz zusehends und die Portestler zogen in Kaffees und Hot-Dog-Buden. Von wahrem Proteststurm kann da wohl eher nicht die Rede sein.
Trotzdem eine schöne Veranstaltung, besonders wenn man die Geschichte "dahinter" kennt. Bilder gibt's auch ein paar unter "Kvennafrí 2005".
Kvennafrí
Montag, 24. Oktober 2005
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